Wieso ein T-Shirt einmal um den Globus wandertDaten & Fakten zum Thema Mode | |
| Herbst-Zeit, das ist nicht zuletzt die Zeit der Fashion Weeks: Auf den Laufstegen von New York, London, Mailand und Paris werden zwischen 6. und 26. September 2012 neue Kollektionen präsentiert werden. Vom 28. bis 30. September findet in Linz die WearFair, Österreichs Messe für faire und ökologische Mode, statt. Die Plattform Medien & Entwicklung sah sich deswegen Daten und Fakten rund um das Thema Mode und die Produktion von Kleidung genauer an:
T-Shirts: Bis zu 50.000km auf der Reise 19.000 Kilometer hat laut Informationen der Initiative WearFair (weitere Zahlen siehe hier) ein Kleidungsstück zurückgelegt, dessen Rohbaumwolle aus den USA und dessen Polyesterfaseranteil aus Fernost kommt, das in Deutschland gewebt und in Tunesien geschneidert wurde - und schließlich bei uns auf den Markt kommt. Ein herkömmliches, mit Hilfe von globalen Zulieferketten hergestelltes T-Shirt reist zwischen 18.000 und 50.000 Kilometer (eine Erdumrundung kommt auf 40.000 Kilometer). Flugtransport von Kollektionen produziert ca. die 12-fache CO2-Menge des Schiffstransports.
30 Mio. arbeiten in der Textilindustrie 30 Millionen Menschen sind laut WearFair weltweit in der Textilindustrie beschäftigt. 75 Prozent des weltweiten Bekleidungsexports wird dabei in sogenannten Entwicklungsländern produziert. Meist unter unmenschlichen und unsicheren Arbeitsbedingungen.
Wer verdient an dem Verkauf eines T-Shirts? Hier eine Übersicht, die Richtwerte zeigt (die Prozentanteile können variieren - es gibt wegen fehlender Transparenz innerhalb der Bekleidungsindustrie wenig verlässliche Informationen):
KonsumentInnen an fairer Mode interessiert, aber selten informiert Es gibt einige Studien, die die Situation am Modemarkt beleuchten: So stellten ForscherInnen der Cambridge University (ganzer Bericht siehe hier) fest, dass 2006 ein Drittel mehr Kleidung gekauft wurde als noch 2002. Mit einem steigenden Konkurrenzkampf und immer mehr Kollektionen als Konsequenz. Und mehr weggeworfenenen Textilien: Schätzungen zu Folge landen in Deutschland zwischen 600.000 und einer Millionen Tonnen Kleidung im Jahr im Container.
Südwind gab 2010 eine Studie zum Thema "Faire Mode" in Auftrag. Ein Ergebnis: Zwei Drittel der ÖsterreicherInnen finden demnach faire und ökologische Produktion bei Bekleidung wichtig, 31 Prozent sogar sehr wichtig. Die Hälfte der Befragten würde dafür auch mehr bezahlen. Allerdings: nur jeder Achte gab an, gut über faire Mode informiert zu sein.
Warum ein paar Cents mehr nicht drin sind Warum werden NäherInnen in der Mode-Industrie nicht fair bezahlt? Kleider, die ein paar Cent teurer wären, würden schon viel ändern. Woran scheitert es konkret? Dieser Frage gingen Martin Hobi und Mark Starmanns in einem aktuellen Bericht nach.
Ein großes Hindernis stellt laut den zwei Wissenschaftern die Tatsache dar, dass viele ProduzentInnen in (z.B. in Indien) mehrere Käufer haben: Wenn nur manche Käufer den faireren Lohn mittragen, steht die Produktions-Firma vor dem Dilemma, den teilweise höheren Lohn unter den ArbeiterInnen aufzuteilen. Daher müsste bei "westlichen" Unternehmen mehr Bewusstsein geschaffen werden, damit eine Mehrheit der Einkäufer auf faire Bezahlung pocht.
Auch die Saisonalität der Kollektions-Herstellung macht es komplizierter: Meist muss in kurzer Zeit viel produziert werden, Überstunden werden dabei häufig nicht bezahlt. Wegen des Zeitdrucks haben die Auftraggeber oft keinen Überblick darüber, in welcher Form die Hersteller-Betriebe ihre Mitarbeiter entlohnen. Hobi und Starmanns betonen trotz allem den Einfluss, den Unternehmen im "Westen" und, nicht zuletzt, die Käufer, haben. |
