Dschungel statt ÖlBeiträge aus aller Welt könnten die Ölförderung im östlichen Teil des Yasuní-Nationalparks überflüssig machen und damit eines der artenreichsten Gebiete Amazonies schützen. Was ein beispielhaftes Projekt für einen Paradigmenwechsel in der Energiepolitik wäre, droht nun am Desinteresse der reichen Staaten, vor allem Deutschlands, zu scheitern. | |
| „Die Welt lernt von Yasuní“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kürzlich am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen, „mit Führungsstärke, Kreativität und Engagement ist nachhaltige Entwicklung möglich.“ Er bezog sich dabei auf den Yasuní-Nationalpark im Nordosten Ecuadors, ein knapp 10.000 km² großes Urwaldgebiet mit einer einzigartigen biologischen Vielfalt und mehreren indigenen Völkern, die dort in freiwilliger Isolation leben. Doch unter der paradiesischen Oberfläche liegt Öl, viel Öl: auf 850 Millionen Barrel wird das Vorkommen geschätzt, was im Falle der Förderung dem Land mindestens 7 Milliarden US$ bringen würde (aktuelle Schätzungen sprechen sogar von 14 Milliarden). Begleitet von den bekannten katastrophalen ökologischen und sozialen Auswirkungen. 410 Millionen Tonnen Kohlendioxyd würden in die Erdatmosphäre gestoßen werden. 2006 wirkte sich die lateinamerikanische Linkswende auch in Ecuador aus; ein politischer Quereinsteiger, der Soziologe und Ökonom Rafael Correa, gewann mit einem überwältigenden Erfolg die Präsidentschaftswahlen. Bei der UN-Vollversammlung im darauffolgenden Jahr präsentierte er den Plan, die damals neu entdeckten Erdölvorkommen im Yasuní-Park im Boden zu lassen, wenn die internationale Staatengemeinschaft etwa die Hälfte der dadurch entgangenen Netto-Einkünfte aufbringt. Internationale Unterstützung nötigDer Plan des ecuadorianischen Wirtschaftswissenschaftlers sieht im Konkreten vor, dass die Hälfte der durch die Nicht-Förderung des Erdöls entgangenen Einnahmen, ca. 3,6 Milliarden US$, von der internationalen Gemeinschaft in einem Zeitraum von 13 Jahren in einen Treuhandsfonds der UNO eingezahlt wird. Ecuador verpflichtet sich, mit diesem Geld neue Naturschutzgebiete aufzubauen, zerstörte Wälder aufzuforsten, erneuerbare Energien zu fördern, die Lebenssituation der indigenen Bevölkerung zu verbessern. Wenn bis Jahresende nicht 100 Millionen Dollar in den Fonds eingezahlt werden, wird Präsident Correa mit Beginn des nächsten Jahres den Naturpark zur Erdölförderung freigeben. Deutschlands Haltung hat auch andere Staaten, darunter Österreich, bewogen, sich an diesem Projekt nicht zu beteiligen.
Kontakte und weitere Informationen: Werner Hörtner, Redakteur des Südwind Magazins und Lateinamerika-Experte: werner.hoertner@suedwind.at, Tel.: 01 405 55 15 / 308 Bildmaterial:
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