IT-ArbeiterInnen in Mexiko...
| Die Elektronikindustrie stellt sich gerne als modern und fortschrittlich dar. Ihre Geräte sollen den Arbeitsalltag erleichtern. Ganz Anderes erleben allerdings die IT-ArbeiterInnen in Produktionsländern: Ausbeutung, menschenunwürdige Behandlung und prekäre Anstellungsverhältnisse stehen an ihrem Arbeitsplatz an der Tagesordnung.
Merejilda Mora, eine IT-Arbeiterin und Rubenia Figueroa, Mitarbeiterin der Arbeitsrechtsorganisation CEREAL aus Mexiko waren auf Einladung von Südwind und den Kampagnen „Clean-IT“ und „I SHOP FAIR“ zu Gast in Österreich. Im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen berichteten sie von menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der mexikanischen IT-Industrie, die für bekannte Marken-Unternehmen wie IBM, Panasonic, Microsoft oder Nokia produziert.
In vielen Fabriken müssen die ArbeiterInnen Erlaubniskarten ziehen, um auf die Toilette gehen zu dürfen und sind sexueller Belästigung durch Vorgesetzte ausgesetzt. „Wenn wir uns beschweren, kommen unsere Aufseher ohne Konsequenzen davon- die Arbeiterinnen werden im schlimmsten Fall entlassen. Das bedeutet einen enormen Druck, den man ertragen muss, um das notwendige Geld verdienen zu können“, erzählte Merejilda Mora.
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... und in Thailand stellen elektronische Produkte für der europäischen Markt her.
| Verhaltenskodex auf dem Prüfstand
Aufgrund der Kritik an den Missständen in der Elektronikindustrie von Menschen- und Arbeitsrechtsorganisationen, verabschiedeten im Jahr 2004 die drei Marktführer Hewlett-Packard (HP), IBM und Dell den brancheneigenen Electronic Industry Code of Conduct (EICC). Mittlerweile wurde er von über 40 Unternehmen übernommen.
Trotz mehrmaliger Überarbeitung weist der EICC jedoch Defizite auf. Zudem wird er laufend verletzt.
Aufgrund der extrem niedrigen Mindestlöhne, sind die ArbeiterInnen gezwungen ständig Überstunden zu machen, um über die Runden zu kommen. Der Kodex sieht 60-Wochen vor- nur in Ausnahmefällen dürfen diese überschritten werden. Wer aber mit seinem Lohn nicht überleben kann, lebt ständig in einer Ausnahmesituation, die ihn dazu zwingt mehr zu arbeiten.
Andrea Ben Lassoued, Leiterin der Südwind-Kampagne Clean-IT, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Elektronikindustrie einsetzt, war gerade auf einer Recherchereise in Thailand zurück und weiß sie über die vielen Lücken des EICC Bescheid. Verträge oder Anstellungssicherheit werden im EICC nicht erwähnt. Ein thailändischer Arbeiter berichtete ihr, dass weder er noch einer seiner 5.000 KollegInnen hat einen Arbeitsvertrag hätten.
Versammlungsfreiheit und das Recht auf kollektive Tarifverhandlungen werden durch den EICC nicht garantiert, auch seine Kontrollen sind intransparent. Trotz dieser teilweise schwerwiegenden Defizite hat der EICC Potenzial. Um den Worten Taten folgen zu lassen, ist es wichtig, dass die Mitgliedsunternehmen von den Konsumentinnen und Konsumenten in die Pflicht genommen werden und eine lückenlose Einhaltung garantieren.
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Unterschreiben Sie für faire Arbeitsbedingungen!
| Aktionen in Österreich
Im Rahmen eines gemeinsamen Schwerpunkts der Südwind-Kampagnen „Clean-IT“ und „I SHOP FAIR“ sollen nun öffentliche BeschafferInnen dazugebracht werden, Druck auf Markenfirmen auszuüben und sich für sozial fair produzierte Computer einzusetzen.
Denn: 110 Millionen Euro werden in Österreich jährlich im öffentlichen Einkauf für die Beschaffung von IT-Hardware ausgegeben. Soziale Kriterien spielen bei der Beschaffungsentscheidung allerdings bis dato kaum eine Rolle, sondern hauptsächlich Kriterien wie Preis und niedrige Energiekosten. Werden bei Kaufentscheidungen öffentlicher Institutionen soziale Kriterien einbezogen, kann dies einen entscheidenden Beitrag zur Armutsminderung und für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen weltweit leisten. Gemeinsam mit StudentInnen werden durch eine Protestkartenaktion und eine online-Petition österreichweit BeschafferInnen ebenso wie RektorInnen, Universitäten und Fachhochschulen aufgefordert, sich durch einen Beschluss zur sozial verantwortlichen Beschaffung von Computern zu bekennen.
Neuer Bericht zu den Arbeitsbedingungen in der mexikanischen IT-Industrie zum Downloaden
Weitere Informationen zu den Südwind-Kampagnen Clean-IT und „I SHOP FAIR“ und der online-Petition finden Sie unter www.clean-it.at sowie www.ishopfair.net
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