Europäischer Elektromüll bringt tausende AfrikanerInnen in Gefahr
Südwind-Aktivistinnen decken auf: Giftiger Computerabfall macht in Ghana Kinder und Jugendlichen krank.
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| Wien, 19.05.09. 8,7 Millionen Tonnen Elektromüll werden jährlich in Europa produziert und ein Teil davon illegalerweise nach Afrika verschifft. Vieles wird dabei als Second-Hand Ware bezeichnet, ist oft aber nur mehr giftiger Elektromüll, der in Afrika und Asien die Gesundheit der Menschen bedroht.
Trotz gesetzlicher Regelungen, die die Ausfuhr von Elektromüll in Nicht-OECD-Länder verbieten, wird weniger als die Hälfte der in Umlauf gebrachten Geräte gesetzeskonform recycelt und gemeldet. In Österreich wurden im Jahr 2007 61,5 Millionen kg Elektroaltgeräte bei offiziellen Sammelstellen abgegeben. Der Rest wird privat oder auf Deponien gelagert, oder illegalerweise als Second-Hand-Ware deklariert. Als solche wird Elektromüll dann über SchrotthändlerInnen nach Afrika oder Asien verkauft. Das ist ein gutes Geschäft: Im Jahr 2005 wurden allein nach offiziellen Zahlen täglich 1.000 benutzte Fernsehgeräte von der EU nach Afrika gebracht (Quelle: European Environment Agency Report). Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein.
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Südwind-Aktivistinnen beim Lokalaugenschein
| Aktivistinnen der entwicklungspolitischen Organisation Südwind berichteten heute im Rahmen eines Pressegesprächs von ihrer Recherchereise nach Ghana. Dort fanden sie heraus, was mit alten Fernsehern, Computern oder Kühlschränken passiert: Sie werden von lokalen HändlerInnen containerweise aufgekauft und an die Menschen vor Ort verscherbelt. Ob die Ware noch funktioniert, dürfen KäuferInnen nicht überprüfen. Mike Anane, ghanaischer Umweltjournalist und Experte für Elektromüll, meinte: Die Händler zahlen nur für den Transport, für die Ware selbst zahlen sie nichts, da 90% davon Schrott ist. Auch aus Österreich gelangt dieser nach Ghana. Ich habe schon vor 20 Jahren Reifen aus Graz importiert., erzählte der grauhaarige Besitzer eines der Geschäfte, Jetzt bekomme ich Elektrogeräte aus Österreich. Nächsten Monat erwarte ich wieder eine große Ladung. Alles, was sich nicht verkaufen lässt, landet auf den lokalen Müllhalden. Dort zerlegen Kinder und Jugendliche die Geräte mit bloßen Händen und verbrennen die Überreste, um an die Kupferkabel zu kommen, die sie für einen Hungerlohn weiterverkaufen. Tausende Menschen leben am Rande der Müllhalden in Slums. Durch das Verbrennen des Mülls sind sie ständig einem gefährlichen Giftcocktail ausgeliefert, der schlimme Atem- und Hautkrankheiten oder Krebs verursacht.
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Emmanuel hat sich beim Zerbrechen der Computer am Handgelenk geschnitten
| Vor Ort traf das Südwind-Team den elfjährigen Emmanuel. In der
Hauptstadt Accra lebt er gemeinsam mit gleichaltrigen Kindern in einer
Hütte am Rande der Müllhalde Agbobloshie. Jeden Tag sucht er dort nach
Metall, durch dessen Verkauf er sein Überleben sichern kann. Wenige
Tage zuvor hatte er sich bei der gefährlichen Arbeit am Handgelenk
geschnitten. Die schmutzige Wunde, notdürftig mit einem Isolierband
überklebt, blutete immer noch. Es tut nicht mehr wirklich weh, meinte
Emmanuel. So etwas passiert halt immer wieder, wenn man hier
arbeitet. Von der Gefahr, die eine mögliche Tetanus-Infektion mit sich
bringt, weiß er nichts. Auch der sechsjährige Salu lebt vom
Müll. Vormittags geht er in die Schule, nachmittags sucht er
Metallreste zwischen den Überresten zerbrochener Computer. 80 Pesewas
(ca. 40 Eurocent) am Tag verdient Salu damit; das Geld bringt er seiner
Mutter. Das Südwind-Team traf ihn am späten Nachmittag, da hatte er den
ganzen Tag noch nichts gegessen. Ohne Schuhe kletterte er über die
Scherbenhaufen aus zerschmetterten Monitoren. Ich mag die Arbeit hier
nicht so gerne. Manchmal werde ich krank und auch Kopfweh habe ich
oft, erzählte Salu, Immer wieder schneide ich mir auch die Füße auf.
Das blutet dann ziemlich. |
Beim Verbrennen der Computer entstehen hochgiftige Dämpfe
| Es ist ein Skandal, dass
unser Wohlstandsmüll verbotenerweise in Afrika landet, wo er die
Menschen in große Gefahr bringt. Die Verantwortlichen aus Politik und
von Elektro- und Elektronik-Unternehmen müssen dafür sorgen, dass
dieser Wahnsinn gestoppt wird. empört sich Christina Schröder,
Pressesprecherin von Südwind nach dem
Lokalaugenschein. Behörden und Regierungen in Europa und
Österreich sollen laut Südwind rasch für eine lückenlose Umsetzung des
Exportverbots von Elektromüll sorgen. Weiters solle es verstärkte
Kontrollen der bestehenden Verordnungen geben und das ordnungsgemäße
Recycling aller in Europa und in Österreich anfallenden
Elektroaltgeräte sichergestellt werden. Auch die Elektro- und
Elektronik-Unternehmen sollten in die Pflicht genommen werden und
Elektrogeräte ohne gefährliche Inhaltsstoffe wie Quecksilber oder
giftige Flammschutzmittel herstellen, für eine längere Haltbarkeit der
Produkte sorgen sowie die Möglichkeiten zur Reparatur und zum
Nachrüsten erleichtern.
Konsumentinnen und
Konsumenten können zu einer Besserung der Missstände beitragen, indem
sie alte Elektrogeräte zu entsprechenden Sammelstellen der Gemeinden
oder zu einem ReUse-Zentrum bringen, das für Reparatur und
Wiederverwendung in Österreich sorgt. Keinesfalls soll Elektromüll an
private Schrotthändler weitergegeben werden., empfiehlt Christina
Schröder. Möglichkeiten, um sich an die Herstellerfirmen zu
wenden, bietet Südwind im Rahmen der Kampagne Clean-IT www.clean-it.at/aktiv-werden.
Weiters
sind bei Südwind Aufkleber erhältlich, auf denen der Stopp
illegaler Elektromülltransporte nach Afrika gefordert wird.
Sticker-Bestellung unter: suedwind.agentur@suedwind.at
Tel.:
01 405 55 15
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Vorankündigung, bitte um Kenntnisnahme:
Am 28. Mai zwischen 10.00 und 12.00 werden
Südwind-AktivistInnen im Rahmen von Straßenaktionen in Wien, Linz, Graz
und Innsbruck auf die illegalen Elektromüll- Transporte nach Afrika
aufmerksam machen. Ein Aviso folgt.
Rückfragehinweis: Christina Schröder,
Südwind Tel.: (01) 405 55 15-301 E-Mail: christina.schroeder@suedwind.at www.suedwind-agentur.at
Clean-IT setzt sich für faire Arbeitsbedingungen in der weltweiten Computerindustrie ein. Mit Unterstützung europäischer KonsumentInnen üben wir Druck auf Computermarkenfirmen aus, Verantwortung für die Arbeitsbedingungen und ökologischen Auswirkungen der Herstellung ihrer Produkte zu übernehmen. Die Südwind-Kampagne Clean-IT ist Teil der europäischen ProcureITfair-Kampagne und wird von der Europäischen Union und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert. Die von Clean-IT vertretenen Standpunkte geben die Ansicht von Clean-IT wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Fördergeber dar.
Südwind
setzt
sich als entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation seit
30 Jahren für eine nachhaltige globale Entwicklung, Menschenrechte und
faire Arbeitsbedingungen weltweit ein. Durch schulische und
außerschulische Bildungsarbeit, die Herausgabe des Südwind Magazins
und anderer Publikationen thematisiert Südwind in Österreich globale
Zusammenhänge und ihre Auswirkungen. Mit öffentlichkeitswirksamen
Aktionen, Kampagnen- und Informationsarbeit engagiert sich Südwind für
eine gerechtere Welt.
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